Die Meere stehen vor dem endgültigen Kollaps
In einer weltweit Beachtung gefundenen Studie wiesen Wissenschaftler dieser Tage nach, dass bis 2050 sowohl der Kollaps der Meere als auch der Fischerei droht. Noch kann gegengesteuert werden, bei sofortigem Umdenken.
Wenn die Artenvielfalt der Meere weiterhin so stark dezimiert wird wie bisher, könnte die Fischerei bereits Mitte des Jahrhunderts zusammenbrechen. Davor warnt eine Gruppe internationaler Ökologen und Wirtschaftsexperten im Journal "Science". "Wenn wir unsere Methoden zum Artenschutz nicht grundlegend verändern, wird dies das letzte Jahrhundert mit wild gefangenem Fisch sein", erklärte Mitautor Stephen Palumbi von der Stanford-Universität in Pacific Grove/Kalifornien.
Die Gruppe um Boris Worm von der Dalhousie-Universität in Halifax/Kanada nutzte Daten aus einer Vielzahl von Experimenten, Messungen und Fischereiaufzeichnungen. Die Forscher zeigen, dass der seit dem Beginn der Industrialisierung bereits vielfach belegte Rückgang der Artenvielfalt die Produktivität der Meere deutlich verringert.
In der Folge sinken die Fischereierträge, schreibt die Gruppe um Worm: Eine Untersuchung im Jahr 2003 habe ergeben, dass zu diesem Zeitpunkt bereits knapp ein Drittel der befischten Arten zusammengebrochen sei. Trotz massiver Mehraufwände für die Fischerei gingen die Erträge seit 1994 kontinuierlich zurück.
Das Ökosystem Meer wird instabil
Auch die Stabilität des Ökosystems Meer und seine Fähigkeit, sich von Schädigungen zu erholen, verringere sich mit sinkender Artenvielfalt. Krankheiten breiteten sich schneller aus, die Lebensräume veränderten sich. Dadurch erhöhen sich auch die Risiken für die Menschen in den Küstenregionen, berichten die Forscher.
Allerdings gebe es trotz allem einen kleinen Lichtblick, betont Worm: Noch sei dieser Prozess umkehrbar. In neu eingerichteten Meeresschutzgebieten steige die Artenvielfalt rasch wieder, schreiben die Forscher. In solchen Reservaten können sich Fische und andere Tiere gut vermehren und damit auch die Umgebung mitversorgen - das hilft den Fischern im Umkreis solcher Schutzgebiete. Die Autoren regen an, bei allen Schutzmaßnahmen nicht einzelne, sondern alle Arten einzubeziehen.
Die Forscher betonen zugleich die gesellschaftliche Bedeutung einer intakten marinen Artenvielfalt. Der Schutz des Ökosystems Meer werde dadurch auch zu einem langfristigen ökonomischen Anliegen. Im Moment sei weniger als ein Prozent des Meeres geschützt. "Obwohl mit einem besseren Schutz der Artenvielfalt kurzfristig steigende Kosten verbunden sind, ergänzen sich Artenschutz und wirtschaftliche Entwicklung langfristig", betonte Edward Barbier, Ökonom von der Universität von Wyoming in Laramie/USA.
Lösungskonzepte müssen Priorität haben
In einer Reaktion auf die Studie betonte die Umweltschutzorganisation Greenpeace, dass zum Schutz der Meere dringendst Lösungskonzepte umgesetzt werden müssten. Insofern habe die Schaffung eines weltweiten Netzwerkes von großflächigen Meeresschutzgebieten, das 40 Prozent der Ozeane umfasst, oberste Priorität, hieß es in der Aussendung. Gemeinsam mit einem 40-köpfigen Forscherteam sei ein Konzeptentwurf erarbeitet worden.
Meeresschutzgebiete sind Gebiete, in denen jegliche extraktive und zerstörerische menschliche Nutzung, wie Fischerei, Öl- und Gasförderung und Sand- und Kiesabbau ausgeschlossen ist. Sie sind ein Schlüsselinstrument gegen den Verlust der marinen Artenvielfalt und für den Schutz der Meere und ihrer Bewohner. Auch die Fischerei profitiert von Meereschutzgebieten, in denen sich überfischte Bestände erholen und die Populationen wieder anwachsen können.
Stirbt das Meer, stirbt der Mensch
Um jedermann klar zu machen, worum es geht, seien folgende Zahlen genannt: Rund 70% aller Sauerstoffreserven weltweit entstammen den Weltmeeren. Sollte das Meer kollabieren, wird wohl auch diese Sauerstoffproduktion kollabieren. Die Auswirkungen möge sich jedermann selbst ausmalen.
Der Autor dieses Artikels ist nunmehr 39 Jahre alt, im Jahr 2050 wird er also 83 Jahre alt sein. Ich werde dieses Sterben also noch miterleben - von unseren Kindern ganz zu schweigen. Es gilt JETZT zu handeln!
[Quellen: APA, dpa, derstandard.at, Greenpeace, WWF, nullzeit.at]
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