Leb wohl Baiji: Nachruf auf einen Delfin
Es scheint vollbracht zu sein und der Mensch kann "stolz" darauf sein: der erste Wal weltweit wurde dieser Tage durch Menschenhand ausgerottet. Der chinesische Flussdelfin Baiji wurde von unserem Planeten ausgelöscht.
Bereits seit Jahren wusste man um die akute Gefährdung des chinesischen Flussdelfins Baiji (Lipotes vexillifer), der weltweit nur im Jangtse-Fluss vorkam. Doch niemand vermochte etwas dagegen zu unternehmen, dass immer mehr Tiere dieser seltenen Art den Fischernetzen, den Schiffsschrauben der unzähligen Boote, die den Fluss bevölkern, sowie dem Rückstauprojekt des größten Wasserkraftwerks der Welt - also schlicht dem Menschen - zum Opfer fielen.
Wissenschafter suchten nunmehr sechs Wochen lang den natürlichen Lebensraum des Delfins mit einem akustischen Ortungsgerät ab - ohne Ergebnis. Auch wenn sie einzelne Exemplare übersehen haben sollten, empfehlen die Forscher, die Tierart als "wahrscheinlich ausgestorben" zu bezeichnen, denn der Baiji könne nicht mehr vor dem Aussterben bewahrt werden.
Hintergrund
Bereits im Dezember 2006 hatte eine Expedition nach Exemplaren des Chinesischen Flussdelfins gesucht, ebenso ergebnislos. In den 1950ern verschwand der Baiji aus dem Fluss Qiantang, in den späten 1970ern wurde sein Bestand auf rund 400 Tiere im Fluss Jangtse und den Seitenarmen geschätzt. Zwei Jahrzehnte später gingen die Schätzungen nur noch von 13 Exemplaren aus.
Zum Aussterben des seltenen Säugetiers dürften großteils Fischerboote beigetragen haben, denn die Hälfte der toten Flussdelfine in den 1970ern und 1980ern war sogenannter "Beifang". Umweltverschmutzung und die mangelnde Aufmerksamkeit der Behörden sieht Sam Turvey von der Zoological Society of London zudem als Ursachen für die "schockierende Tragödie".
Dammbauten und Kollisionen trugen ihren Teil zur Gefährdung der Delfine bei. Die Untersuchung wurde im Fachblatt "Journal of the Royal Society: Biology Letters" veröffentlicht.
Der Erste wird der Letzte sein
Beim Baiji handelt es sich somit um den ersten Wal (zu dieser Gattung zählen ja auch die Delfine) der nachweislich durch Menschenhand ausgerottet wurde. Man erinnert sich in diesem Zusammenhang an die tragische Geschichte des Dodos: dieser flugunfähige Vogel lebte auf Mauritius, wo ihn spanische Seeleute um 1560 herum entdeckten.
Nur 100 Jahre später, genauer gesagt im Jahre 1681, erschlug ein spanischer Seemann den letzten noch lebenden Dodo. Einer der Hauptgründe, der zur Ausrottung des Dodos beitrug, war, dass die von der langen Überfahrt gelangweilten Matrosen mit Kokosnüssen nach den Dodos schossen. Nachweislich wurde der Dodo also zu Tode geprügelt - und gilt auch als das erste, durch Menschenhand ausgerottete Tier.
Mit dem Baiji wird diese traurige Tradition nunmehr "erfolgreich" fortgesetzt. Man muss ja kein großer Naturschützer vor dem Herrn sein - nachdenklich sollte man aber schon ein klein wenig, was wir unserem Planeten und den Lebewesen, mit denen wir uns diesen teilen, denn so alles zumuten.
Video auf YouTube
Und für alle, die noch einige Impressionen dieses Tieres sehen wollen, gibt es auf YouTube ein Video aus Dezember 2006, in dem einige Bilder des Baiji zusammen gestellt wurden. Sie sprechen für sich.
[Quelle: derstandard.at, wikipedia, youtube, nullzeit]
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