Eurofisch: Für Fischsupermarkt ist Meeresschutz kein Thema


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Lasar Chassidov (re.) stand nullzeit Rede und Antwort 

Stellen Sie sich vor, das Meer stirbt – und keinen interessiert es. So oder doch so ähnlich kann man sich die heutige Pressekonferenz zur Eröffnung von Österreichs größtem Fischsupermarkt mit angeschlossenem Restaurant, dem Eurofisch Gourmet in Wien 12., vorstellen.

Auf insgesamt 1.400 m² werden ab dem 9. November 2007 rund 100 verschiedene Fischsorten zur Auswahl bereit stehen und auf den Fischliebhaber warten. Nur 10 Fischarten davon stammen aus Österreich, rund 90 Sorten stammen zum Großteil aus dem Mittelmeer, und hier vor allem aus Frankreich und zu kleinen Teilen aus Italien. Binnen 24-48 Stunden, so das Versprechen der Betreiber, wird der Fisch fangfrisch in den Kühlregalen oder als Frischfisch im Meer- oder Süßwasserbecken eintreffen.

Die Crush-Eis-Theke, auf der die Fische täglich neu geschlichtet werden, wird mit 3 Tonnen Eis pro Tag betrieben und ist mit ihren 25 Meter Länge zugleich die größte in Europa. Auch die Frischfisch-Becken sind mit 14 Meter Lauflänge ins Reich der Superlative einzuordnen und zugleich die größten Becken im Fischeinzelhandel in Europa. Sie wurden von den selben Fachkräften gebaut, die auch die Becken für das Haus des Meeres und für das Aquarienhaus im Tiergarten Schönbrunn entworfen hatten.

Nachhaltigkeit kein Thema

Doch zurück zum Thema: die Nachhaltigkeit des „Wareneinkaufs“, anders ausgedrückt: wie sehr liegt den Betreibern die Erhaltung der Unterwasserwelt der Ozeane und der Schutz bedrohter Tierarten auf dem Herzen? Kurz gesagt: gar nicht. Der Geschäftsführer und Initiator von Eurofisch Gourmet, Lasar Chassidov, antwortete dazu auf Nachfrage des anwesenden nullzeit Magazin Redakteurs: „Wir richten uns zwar, wie die meisten Fischhändler, an den WWF- und Greenpeace-Ausführungen über bedrohte Tierarten in den Meeren, werden diese aber sehr wohl anbieten. Wenn der Kunde diese Fische verlangt, wird er sie auch bei uns bekommen. Wir werden den Verkauf von diesen Produkten, wie etwa Haie, Rochen oder Thunfisch, aber nicht forcieren. Im Laufe der Zeit werden wir sie vielleicht auch auflassen.“

Dass vor allem Haiprodukte, die es auch im Angebot des größten österreichischen Fischhändlers geben wird, eine enorme, gesundheitsgefährdende, Belastung durch Methylquecksilber aufweisen, wie Untersuchungen von unabhängigen, von Sharkproject beauftragten, Wissenschaftlern ergaben, scheint den Betreibern von Eurofisch auch kein Dorn im Auge sein. Dass Methylquecksilber u.a. zu Impotenz führen kann, sollte aber vor allem die männlichen nullzeit-Leser nachdenklich machen.

Überfischung der Meere

Gar nicht zu reden von der immens starken Überfischung der Gebiete, aus denen Eurofisch den Großteil seiner Ware bezieht. So sind etwa laut einer einschlägigen EU-Studie die Bestände der Blauflossen-Thunfische im Mittelmeer mittlerweile vom Aussterben bedroht, ebenso wie die Dorsche in der Ostsee. Insgesamt zwei Drittel der kommerziellen Fischbestände im Nordost-Atlantik und im Mittelmeer sowie drei Viertel in der Ostsee liegen außerhalb der sicheren biologischen Grenzen, was man auch Überfischung nennt. Von dort stammt aber die „Ware“ Fisch, die scheinbar vom Kunden verlangt wird und dementsprechend auch auf die Theke kommen dürfte.

Erschreckend sind auch die Zahlen, die die Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization) veröffentlicht. Demnach gelten 70 % der weltweiten Fischbestände als überfischt. Wenn man sich die Zahl der jährlich gefangenen Fische ansieht, verwundert dies nicht weiter: Rund 90 Millionen Tonnen Fisch landen jedes Jahr in den Schleppnetzen der kommerziellen Fischfangunternehmen. Weitere 30 Millionen Tonnen werden durch illegale Fischerei aus dem Meer geholt. Zusätzlich sterben noch rund 30 Millionen Tonnen Meereslebewesen, wie etwa Delfine, Haie, Schildkröten oder Krebse, als Beifang in den Schleppnetzen und werden als Müll über Bord geworfen.

Dieser Beifang stört übrigens die Betreiber von Eurofisch auch nicht – der Thunfisch etwa, berüchtigt für die hohen Beifangquoten von Delfin und anderen Meeressäugern, wird nach Qualität des Fleisches gekauft, nicht aber nach den ökologischen Fangmethoden.

Hohe Investitionen

Von den hunderttausenden Dornhaien, die für die beliebten Schillerlocken sterben müssen und bereits als stark gefährdet gezählt werden, wollen wir hier erst gar nicht reden. Der Leiter des Eurofisch-Supermarkts, Herbert Chaloubek, sowie Erich Sigl, der Leiter des angeschlossenen Fisch-Gourmet-Restaurants „Blue Marlin“, freuen sich trotz allem gemeinsam mit Lasar Chassidov über ihr neues Supermarkt-Gourmet-Lokal, das sie mit rund 3 Millionen Euro aus dem Boden des Sagedergasse 18-22 in Wien 12. gehoben haben und in dem sie sich einen täglichen Umsatz von 15.000,- Euro erwarten. Der Umweltgedanke bleibt dabei hinter dem Geschäftsgedanken auf der Strecke.

Dass dies nicht so sein muss, haben allerdings bereits wirklich große Supermarktketten wie die Metro-Gruppe oder Lidl gezeigt: in deren Läden gibt es seit längerem schon keine Haiprodukte mehr zu kaufen. Es wäre schön, wenn dieses Umdenken auch in den Köpfen der Betreiber von Eurofisch bald einsetzt. Gegen Fischkonsum an und für sich ist ja nichts zu sagen – es wäre nur gut, wenn auch die Generationen nach uns noch etwas davon genießen könnten.

Das angeschlossene Gourmet-Lokal wird übrigens am 15.11.2007 eröffnet, soll rund 140 Personen Platz bieten und hat Montag bis Samstag von 11.00 Uhr bis 24.00 Uhr geöffnet.

In diesem Sinne: Mahlzeit aus der nullzeit Redaktion!

Bilder

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Die Crush-Eis-Theke ist die längste Europas 

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Eurofisch - nun liegt es am Konsumenten zu beurteilen 

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Kommentar von: Florian Jonitz gepostet: 07.04.2008 23:42 X

Aufwachen
Servus.

Der Artikel ist sehr gut geschrieben. Danke dafür!

Aber, es ist schon ziemlich deprimierend, gerade auf einer Taucherseite so viel Unverständnis zu sehen. Ich bin definiv kein radikaler Nein-Sager, aber wenn es um bedrohte Arten geht, hört der Spaß auf.
An manchen Stellen der Kommentardiskussion bekommt man fast den Eindruck, als würden hier Angestellte des genannten Ladens auf betreiben des Chefs schreiben. Ich esse ebenfalls sehr gerne Fisch, aber dabei achte ich darauf, dass die Art nicht überfischt ist.
Was den Vergleich mit Fleisch betrifft gebe ich Roman Recht, ein Vergleich ist hier völlig falsch. Zwar läuft auch in der Fleischproduktion mehr als nur ein paar Sachen völlig Falsch, aber die Arten sind zumindest nicht vom Aussterben bedroht oder ziehen dadurch ein ganzes Ökosystem mit in den Abgrund.

Wenn nicht mehr Zeichen gegen die Zerstörung unseres Planeten gesetzt werden, werden wir alle noch unser blaues Wunder erleben. Deshalb boykottiere ich Läden wie diesen, oder, um ein weiteres Beispiel zu nennen, kaufe ich nicht mehr im Edeka um die Ecke ein, da dieser auch nach mehrmaliger Kritik von meiner Seite, die Schillerlocke, nicht aus dem Programm genommen hat.

Einen lieben Gruß vom Mittaucher und Fischfreund

Florian

Kommentar von: susana gepostet: 29.12.2007 23:00 X

dr.mag.
guten tag
allso ich habe ausreichend fische eingekauft und der war hervorragen ich in letzter zeit ihre stamm kundin ich war früher nur vergitararin und jetzt seit dem ich den eurofische kenne esse ich immer nur fische weil das am gesünderste essen ist
einen guten rutsch ins neue jahr

Kommentar von: daniel gepostet: 21.12.2007 22:37 X

roman
hallo roman, hier ist der Daniel!!

Ich finde du schreibst zu viel mist,
es ist egal was jeder einzelne von euch schreibt jeder soll sich seine eigene Meinung bilden !!!

Ich finde das der Fischsupermarkt Eurofisch Gourmet ur super geweorden ist!!!

servus

euer Daniel

Kommentar von: Roman gepostet: 02.12.2007 16:43 X

@ ´Nora
Solange es noch Leute wie dich mit infinitiv dezimal kleinen Gehirnen auf dieser Welt gibt, sehe ich leider schwarz für unsere Meere.
DENN: Fleisch wird gezüchtet von uns, Fisch großteils nicht. Oder glaubst du ernsthaft dass sich der Fischbestand in den letzten 50-100 Jahren nur so zum Spaß halbiert hat, während Kuh, Schwein, Hendel und Co. mit der Gesellschaft durch gezielte Züchtung mitgewachsen sind.

Also bitte erst einmal überlegen was man alles so von sich gibt.

mfg

Roman

Kommentar von: ´Nora gepostet: 02.12.2007 15:46 X

eurofisch gourmet
Hallo

ich wollte nur sagen, ich habe jez alle diese Kommentare gelesen und, finde das all die Mensche die etwas gegen diesen Fischsupermarkt haben die sollten auch gegen alle FLEISCHERREIEN und alle HÄNDEL Geschäfte sein!!!

Diese Produkte werden auch zu viel gekauft und da sagt keiner was oder???

Außerdem ist FISCH heutzutage viel Gesünder zu essen als Fleisch etc.

In diesem Sinne alles Gute, und schöne Weihnachten euch allen!!


auf wiedersehen

Kommentar von: Roman gepostet: 02.12.2007 09:44 X

MSC-Siegel
Befor hier die Diskussionen noch unqualifizierter werden, möchte ich euch Fragen ob schon jemand etwas vom MSC-Zertifikat gehört hat?
Wenn Ja: Super. Wenn nein: www.msc.org
Dieses steht für nachhaltigen Fischfang. Es steht mittlreweile unter der Schirmherrschaft vom WWF. Wer jetzt jedoch glaubt das man nur noch Karpfen essen Darf (Die einzige wirklich nicht bedrohte Fischart auf dieser Welt) der Irrt.
Der MSC Organisation ist es sehr wohl bewusst dass es ohne Fisch auch nicht geht. Deshalb kritisiert auch Greenpace dass die Auflagen zu locker sind um Dieses Zertifikat zu erhalten.
Ich jedoch bin der Meinung dass es ein guter Kompromiss ist Zwischen Rücksichtsloser Überfischung und völlig auf Fisch verzichten.

Denn: Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann.

In diesem Sinne

einen schönen Sonntag noch

lg Roman

Kommentar von: Brigitte gepostet: 01.12.2007 20:17 X

DANKE FÜR DEN FISCH
Servus euch allen!

Wenn das die Betreiber voön Eurofisch Gourmet sehen dann... wollt nur sagen ihr habt die Beste IDEE ÖSTERREICHS getroffen.

DAnke das ihr uns die Möglichkeit gibt nicht nur den Fisch zu essen, sondern das wir ihn sogar BEwundern dürfen


DANKE DANKE DANKE

Kommentar von: lucy gepostet: 01.12.2007 20:11 X

DIE ERÖFFNUNG von EUROFISCH GOURMET!!!
HALLO!!!

Also das was da viele von euch hinschreiben finde ich eine FRECHHEIT!!!

Ich glaube ihr seid alle nur EIFERSÜCHTIG oder NEIDISCH darauf das dieser Hr. der uns diese Möglichkeit gibt so viele verschiedene Fisch ARTEN auf einmal zu bekommen.

Die Auswahl ist ja einfach gegantisch!!!

Echt ich esse ur gerne Fisch und werde einer der Besten Kunden bei Eurofisch Gourmet sein...

Und das mit dem Restaurant ja ihr habt recht, es war bei der ERöffnung des Eurofisch Gourmets Supermarktes noch nicht fertig aber dafür hat dieser GUTSCHEIN dann noch 2 WOCHEN nach der ERÖFFNUNG gegolten!!!

Also nicht so viel blötzin reden echt

ihr hättet einfach Fragen können!
Fragen kostet ja nichts!!!

Und noch eines es gibt jez sogar 2 ja 2 BANKOMATKASSEN

NA DA STAUNT IHR JETZT ODER???

also alles gute noch

Kommentar von: uc0gr gepostet: 18.11.2007 20:28 X

Eröffnungsfiasko / Planungchaos
Leider habe ich noch nie eine so groß angelegte Werbekampagne zu einer Eröffnung mit einem so großen Chaos in den ersten beiden Tagen erlebt. Restaurant: noch nicht offen, Supermarkt: nur halb eingeräumt, absolut keine Preisschilder, Kassen: Bankomatkassen waren noch nicht installiert. Tolles Eröffnungsfiasko. An den ersten beiden Tagen hätte die Presse vor Ort sein sollen.
Eine Frechheit, überhaupt wenn man von weiter weg EXTRA herkommt wegen einer großen Zeitungsannonce. Aber man verteilt hurtig Gutscheine für das Restaurant, die man aber s.o. sowieso nicht einlösen kann!
So beginnt man gleich, Kunden von erster Stunde an zu vergraulen. Es bleibt nur zu hoffen, dass der frische Fisch pünktlicher ist, als die Fertigstellung des Marktes.

Kommentar von: Werner gepostet: 15.11.2007 10:54 X

Positive thinking :-)
Natürlich ist es erst einmal einfach, an allem nur das Negative zu finden. Ich hoffe, die Verfasser gehen auch nicht zu sämtlichen Supermärkten, die Rindfleisch aus Massentierhaltung und Geflügel aus wundervollen Mastbetrieben verkaufen - da sind leider keine WWF-Leute unterwegs. Sehen wir mal das Positive: ERSTMALS ERHALTEN WIR FISCHLIEBHABER EINEN SUPERMARKT, DER FRISCHE WARE ZU VERNÜNFTIGEN PREISEN ANBIETET - ALSO HIN UND MAL ANSEHEN UND DANN MECKERN !!! Und: wenn wir die bedrohten Tierprodukte nicht kaufen, werden sie vom Fischmarkt auch nicht mehr eingekauft - also letztendlich entscheiden ja wieder wir Konsumenten !

Kommentar von: Leo Ochsenbauer gepostet: 09.11.2007 11:16 X

@ Erwin: Fischverzehr
Hi Erwin,

ich bin nicht generell für Fischverzicht: Fisch ist ja nicht nur gesund, sondern schmeckt auch sehr vielen Menschen. Nur muss man unbedingt JEDE Fischsorte essen? Es gibt doch genug, die sich züchten lassen (und auch werden), die auch ökologischen Fangmethoden stammen, die immer noch en masse vorhanden sind.

Muss man wirklich auf Fischen beharren, die nachweislich von der Ausrottung bedroht sind? Damit man irgendwann in nächster Zukunft sagen kann: super, wieder eine Art weniger - aber geschmeckt hat sie?

Ich finde: Nein! Ich bin bei Gott kein großer Umwelt- und Tierschützer, aber müssen wir Menschen wirklich ALLES angeboten bekommen, oder genügt es nicht auch, die eine oder andere Fischart aus dem Massenhandel zu nehmen?

Die Zahlen stammen übrigens tatsächlich aus offiziellen Statistiken. Fangverbote lassen sich aber weder international (UNO) noch EU-weit durchsetzen, da die Fischereilobby zu starken Einfluss hat. Das Umdenken muss bei den Konsumenten einsetzen, ansonsten haben wir echt ein Problem...

Liebe Grüße
Leo

Kommentar von: Erwin Jank gepostet: 09.11.2007 10:50 X

Was darf man eigentlich noch essen?
Nichts gegen den Schutz bedrohter Arten, speziell der Haie. Aber soll man jetzt keinen Fisch mehr essen?
Die Problematik des Blauflossen-Thunfisches ist leider wahr. Hier würde nur ein prinzipielles Fangverbot als auch ein Verzicht der Käufer helfen.
Aber wenn bei Eurofisch soviele Sorten angeboten werden, kann man ja wohl auch was anderes kaufen.
Und was die zitierten FAO.Zahlen betrifft: So wie der Herr Ochensberger das schreibt, bleibt als Lösung nur, gar keinen Fisch mehr zu essen. Dann gibt´s auch keine Probleme mit dem Beifang.
Aber das kann´s ja auch nicht sein, oder?
Ich schaue mir dann bei den nächsten Tauchreisen die Diver an, die am Roten Meer auf Fisch verzichten und Fleischverlagen oder den Alpenlachs vom Herrn Brauchl bestellen.





Weiterführende Artikel

8.11.2007 | Leo Ochsenbauer