Grundlsee: Mit Harpunen auf Hechtjagd
Was wie ein schlechter April-Scherz klingt, soll laut einer Bestätigung durch die österreichischen Bundesforste (ÖBF) ab Mai 2008 Realität werden: das Harpunieren von Hechten am Grundlsee.
Nachdem uns die Insidermeldung zugetragen wurde, dass aufgrund einer Erkrankung der Hechte im Grundlsee ab Sommer 2008 Taucher die Erlaubnis bekommen sollen, diese zu harpunieren, haben wir mit dem Pressereferenten der ÖBF Kontakt aufgenommen. Im Interview bestätigte Bernhard Schragl von den ÖBF diese Meldung.
Hintergrund dieser Aktion ist die Tatsache, dass die Hechte durch einen Virus, dem sogenannten Hechtbandwurm, befallen sein sollen. Dieser Schädling ist zwar nicht gesundheitsgefährdend, allerdings können damit befallene Fische nach dem österreichischen Lebensmittelgesetz nicht mehr verzehrt werden.
Dies wiederum wirkt sich drastisch auf den Seesaibling-Bestand aus, für dessen Fischerei der Grundlsee der wichtigste der rund 100 durch ÖBF bewirtschafteten Fischereiseen in Österreich ist. Um diese Angelegenheit aus der Welt zu schaffen und um weiteren Schaden zu verhindern, soll nunmehr die Harpuniererlaubnis für ein ensprechendes Ergebnis - nämlich die Tötung der Hechte - sorgen.
Allerdings braucht man sich laut Matthias Pointinger, Fischereibeauftragter der ÖBF, keine Sorgen machen. Die Harpuniererlaubnis gilt ausschließlich für zwei Angestellte der Bundesforste, die gemeinsam mit ein bis zwei Betreuern der Universität Salzburg, für einen begrenzten Zeitraum austesten, inwieweit dem Hechtbestand mittels Harpunen beizukommen ist. In den vergangenen zwei Jahren bemühte man sich nämlich bereits - ohne größeren Erfolg - den Hechten mittels Netzen habhaft zu werden.
Das nötige "Harpunier-Know-How" bekommt das Team von einer ortsansässigen Tauchschule, schließlich will man die Tiere aus ökologischen Gründen entfernen und dabei nicht quälen.
Hintergrundinformationen
Was auf den ersten Blick vielleicht etwas archaisch wirkt, ist auf den zweiten Blick durchaus nachvollziehbar: das Töten der Hechte. Diese waren nämlich ursprünglich im Grundlsee nicht heimisch, sondern sind im Lauf der Jahrzehnte aus anderen Gewässern hinzugezogen. Durch Enten, aber auch durch Köderfische der heimischen Fischer, wurde schlussendlich der Hechtbandwurm eingeschleppt - und dies war der Anfang der Tragödie.
Der Bestand der Seesaiblinge ist gefährdet, und dem versuchen die Mitarbeiter der ÖBF in Kooperation mit dem Institut für Wasserwirtschaft und der Universität Salzburg nunmehr entgegenzuwirken. Die für den Einsatz der Harpunen notwendigen Genehmigungen durchlaufen soeben die letzten Stadien, einem ersten Einsatz der "schnellen Harpuneneingreiftruppe" ab Mai scheint also nichts mehr im Weg zu stehen.
Laut aktuellen 3D-Echolotaufnahmen der ÖBF steht ihnen auch eine schwierige Aufgabe bevor, wird doch der Hechtbestand aufgrund dieser modernen Technologie auf einige Tonnen (oder umgerechnet rund 1.000 Hechte) in dem 425 Hektar großen See geschätzt. Pro Jahr konnten bisher rund 100-150 Hechte mit den regulären Methoden gefangen werden.
Um keine Badegäste oder Taucher zu gefährden, wird das Team aller Voraussicht nach auch nur Nachts auf Hechtjagd sein. Man darf gespannt sein, inwieweit sich das Harpunieren als zielführend erweist.
[Quelle: nullzeit.at, ÖBF]
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