Pazifik: Tsunami fordert Menschenleben
Ein massives Erdbeben hat am Mittwoch, 30.9.2009, die Samoa-Inseln im südlichen Pazifik, zwischen Hawaii und Neuseeland liegend, mit einer gewaltigen Flutwelle überspült und mindestens 100 Personen in den Tod gerissen. Für Indonesien, Malaysien, Indien und Thailand gab es ebenfalls eine Tsunami-Warnung.
Die besonders betroffene Südküste der Hauptinsel Upolu auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Hawaii ist ein Touristenparadies. Die Hotels waren gut besucht, weil in Australien und Neuseeland Schulferien sind. Wie viele Ausländer ums Leben kamen oder vermisst wurden, ist noch unklar. Die neuseeländische Luftwaffe schickte ein Aufklärungsflugzeug in die 2.800 Kilometer entfernte Region, um nach Überlebenden zu suchen, die vielleicht auf das Meer hinausgerissen worden waren.
Der Tsunami wurde durch ein vorangehendes Erdbeben am Dienstag ausgelöst. Zu dieser Zeit war es in der Region 6.48 Uhr am Dienstag. Es hatte nach unterschiedlichen Messungen eine Stärke von 8,0 bis 8,3. Das Zentrum des etwa zwei bis drei Minuten dauernden Erdstoßes lag 32 Kilometer unter dem Meeresboden, etwa 190 Kilometer von Amerikanisch-Samoa entfernt. 25 Minuten später rollte der Tsunami an die Küste und setzte einen Hunderte Meter breiten Landstrich unter Wasser. Für den gesamten Südpazifik bis nach Neuseeland wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben. Auch in Japan und in Kalifornien wurden die Behörden in Alarmbereitschaft versetzt. Die Flutwellen machten mehrere Ortschaften dem Erdboden gleich. Menschen und Fahrzeuge wurden ins Meer gespült, Häuser zerstört. Wer sich retten konnte, floh in höher gelegene Gebiete.
Das Beben habe morgens gegen sieben Uhr Ortszeit angefangen, berichtet Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Arne Schreiber, in Interviews des WDR-Radios. Es sei "erschreckend" gewesen, sagt Schreiber, das Beben habe unwahrscheinlich lange gedauert, ungefähr zwei bis drei Minuten. "Wir sind hier Beben gewohnt, das ist nichts Ungewöhnliches. Nur eben heute war es wahnsinnig stark und lange." Nach dem großen Erdbeben habe es dann auf Samoa noch etwa 20 schwächere Nachbeben gegeben. "Es rumorte eigentlich den ganzen Tag. Derzeit arbeite niemand, die Schulen sind geschlossen. Im Grunde genommen geht keiner raus", so der Honorarkonsul.
Warnung kam zu spät
Das Tsunami-Frühwarnsystem funktioniert nicht über Sirenen, sondern über Textnachrichten auf dem Handy. Die Bevölkerung der Samoa Inseln wird per SMS gewarnt. Zentrale Stellen wie Bürgermeister und Hotelleitungen erhalten demnach eine Warnung und geben diese dann weiter. Da aber das Zentrum nur 100 Meilen entfernt gewesen sei, war der Tsunami in nur 15 Minuten auf Samoa angekommen. "Die Warnung kam eigentlich zu spät", so Honorarkonsul Schreiber.
Meterhohe Wellen
Im Nationalpark von Amerikanisch-Samoa gab es vier Tsunami-Wellen, die bis zu sechs Metern hoch gewesen sind, berichtete Nationalpark-Leiter Mike Reynolds. Die Wassermassen seien rund eineinhalb Kilometer tief auf Land vorgedrungen. In dem Nationalpark werden etwa 40 der 50 Mitarbeiter vermisst. Die Ortschaft Sau Sau auf der Insel Upolu wurde nach Angaben eines neuseeländischen Urlaubers völlig zerstört. "Es ging sehr schnell", sagte der Tourist Graeme Ansell in einem Radiointerview. "Das ganze Dorf ist ausgelöscht worden. Kein einziges Gebäude steht mehr."
Bewohner der Hauptstadt von Samoa, Apia, flohen nach dem Beben im Morgengrauen in Panik aus ihren Häusern. "Es war das stärkste Erdbeben, das ich erlebt habe, und wir sind nach draußen gerannt", sagte Sulili Dusi einem lokalen Radiosender. "Man hat gesehen, wie die Bäume und Häuser schwankten. Alles ist auf den Boden gefallen, und wir dachten, das Haus stürzt auch ein." Lokale Medien berichteten auch von mehreren Erdrutschen in der Region Solosolo auf Upolu.
Verletzter deutscher Tourist
Bei dem Tsunami auf den Samoa-Inseln ist offenbar mindestens ein deutscher Tourist verletzt worden. Der Honorarkonsul Arne Schreiber berichtete von einem Ehepaar, dass in einer Ferienanlage von der Welle erfasst worden sei. Der Mann erlitt eine Kopfverletzung und wurde im Krankenhaus behandelt. Den auf Samoa lebenden Deutschen ist den bisherigen Informationen nach nichts passiert.
Österreichische Touristen wohlauf
Auch die Österreicher seien wohlauf, berichtet Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal. Bisher sind auch noch keine Anrufe besorgter Angehöriger eingegangen, weshalb man davon ausgeht, dass durch die Naturkatastrophe keine Österreicher zu Schaden gekommen sind. Auch über den Reiseveranstalterverband ist nichts über betroffene Österreicher in diesem Gebiet bekannt, so eine Sprecherin des Verkehrsbüros. Bisher weiß man nur, dass ein Vater und sein Sohn, australisch-österreichische Doppelstaatsbürger, sich während des Tsunamis auf Samoa aufhielten. "Ihnen geht den Umständen entsprechend gut", berichtete am Mittwoch Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal.
Die beiden Männer stehen offenbar in regem Kontakt mit der rot-weiß-roten Botschaft in Canberra. So wusste man, dass die beiden sich in der Hauptstadt Samoas, in Apia, aufhalten. Sogar das Hotel war bekannt. Trotz der schwierigen Kommunaktion bemühte man sich sofort, die Österreicher telefonisch zu erreichen.
Notstand auf Amerikanisch-Samoa
Die USA riefen den Notstand für Amerikanisch-Samoa aus. Die Maßnahme von Präsident Barack Obama macht den Weg frei für Bundeshilfe in dem zu den USA gehörenden Gebiet. In Amerikanisch-Samoa gab es nach ersten Angaben mindestens 19 Todesopfer, vor allem auf der Hauptinsel Tutuila. Der westliche Teil der Inseln gehört zum unabhängigen Staat Samoa. Dort kamen mindestens 63 Menschen ums Leben. Das Beben verursachte auf der Hauptinsel Upolu zahlreiche Beben in der Region Solosolo. Auch aus Tonga wurden fünf Todesopfer gemeldet. Auf Samoa leben etwa 65.000 Menschen. Insgesamt gibt es auf den Inseln rund 245.000 Bewohner.
Weitere Tsunami-Warnungen
Indonesien ist am Mittwoch ebenfalls von einem starken Erdbeben erschüttert worden. Die US-Erdbebenwarte USGS meldete eine Stärke von 7,9. Das Pazifische Tsunami-Zentrum gab darufhin eine Tsunami-Warnung für Indonesien, Malaysia, Indien und Thailand aus, die aber Mittwoch Nachmittag wieder aufgehoben wurde.
Das Epizentrum des Bebens lag rund 50 Kilometer nordwestlich der Stadt Padong vor der Westküste von Sumatra. Ein Augenzeuge berichtete, in Padang auf Sumatra seien Häuser und Brücken eingestürzt und Feuer ausgebrochen. Die Erschütterung war so stark, dass sie in der Hauptstadt Jakarta ebenso zu spüren war wie in Singapur und Malaysia.
[Quelle: Reuters, AP, AFP]
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