Tsunami 2009: Neues Beben vor Sumatra
Mitten in den Bergungsarbeiten, die heute, 1. Oktober, auf Sumatra nach dem Seebeben von gestern stattfanden, hat die Inselgruppe ein zweites heftiges Beben erschüttert.
Die Stärke der Erdstöße auf der indonesischen Insel hatten diesmal 6,8 bzw. 7 auf der Richter-Skala, gab die US-Erdbebenwarte USGS und das indonesische Institut für Geologie an. Behörden befürchteten mit dem Fortgang der Bergungsarbeiten Tausende Opfer, nachdem allein in der Küstenstadt Padang nur Stunden nach den Erschütterungen 200 Tote gefunden worden waren. Zahlreiche Rettungsteams sind in der 900.000-Einwohner-Stadt im Einsatz.
Die Opferzahl nach dem schweren Erdbeben ist auf mindestens 470 gestiegen, berichtete das Sozialministerium am Donnerstag. Tausende sind nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde noch unter Trümmern eingeschlossen. Die Zahl der Todesopfer könne in die "Tausende" gehen, sagte ein hochrangiger Vertreter des indonesischen Gesundheitsministeriums, Rustam Pakaya, der Nachrichtenagentur Reuters.
Starker Regen erschwert Rettungsarbeiten
In der Küstenstadt Pandang allein wurden nur Stunden nach den Erschütterungen 200 Tote gefunden. Unter den Trümmern werden aber noch Hunderte weitere Opfer vermutet. Starker Regen und ein Stromausfall erschwerten die Rettungsarbeiten dramatisch. Nach Erdrutschen waren überdies die Zufahrtsstraßen zu der Stadt blockiert. Auch die Telefonnetze brachen zusammen. In der 900.000-Einwohnerstadt Padang, die nur 50 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt war, sind mindestens 500 Gebäude eingestürzt.
Ein weiterer Anstieg der Opferzahlen wurde befürchtet, wenn Rettungskräfte von der Außenwelt abgeschnittene Orte im Westen Sumatras erreichen. Gesundheitsministerin Siti Fadilah Supari bereitet die Menschen auf "schlimmere Ausmaße als nach dem Beben von Yogyakarta" vor. Auch Wohlfahrtsminister Aburizal Bakrie sagte, der Schaden könne dem verheerenden Beben auf Java gleichkommen, bei dem 2006 mehr als 5.000 Menschen starben und 150.000 Häuser beschädigt wurden.
Das Epizentrum des neuen Bebens um 8.52 Uhr (Ortszeit) lag rund 250 Kilometer südöstlich der Großstadt Padang, während das Zentrum des 7,6-Bebens am Mittwoch rund 50 Kilometer nordwestlich gelegen hatte. Die Erschütterung war auch in Jakarta, Singapur und der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur zu spüren. Ein Alarm des Tsunami-Warnzentrums für den Pazifik wurde nach kurzer Zeit wieder aufgehoben. Das Beben ereignete sich am selben Spalt der Erdkruste, an dem auch der verheerende Tsunami von 2004 entsprungen war.
Opferzahl auf Samoa erhöht
Die Opferzahl der durch den Tsunami von Mittwoch betroffenen Insel Samoa hat sich mittlerweile ebenfalls erhöht. Bis Donnerstag hatte man bereits 140 Tote geborgen. Der Polizeichef von Samoa, Lilo Maiava, sagte, die Zahl könne noch steigen, da es noch keinen vollständigen Überblick über die Verwüstung von Siedlungen gebe und man in viele Gebiete noch nicht vordringen konnte. Dutzende Bewohner wurden verletzt. Unter den Toten und Verletzten gebe es auch Touristen.
Die besonders betroffene Südküste der Hauptinsel Upolu auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Hawaii ist ein Touristenparadies. Die Hotels waren gut besucht, weil in Australien und Neuseeland Schulferien sind. Wie viele Ausländer ums Leben kamen oder vermisst wurden, ist noch unklar. Die neuseeländische Luftwaffe schickte ein Aufklärungsflugzeug in die 2 800 Kilometer entfernte Region, um nach Überlebenden zu suchen, die vielleicht auf das Meer hinausgerissen worden waren. Militärmaschinen flogen Ärzteteams, Medikamente, Lebensmittel und Wasser auf die Inseln von Samoa und Amerikanisch-Samoa. Ein Frachtflugzeug aus Neuseeland brachte eine Behelfsleichenhalle und auf die Identifizierung von Toten spezialisierte Teams. Dutzende Bewohner werden noch vermisst, es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten noch steigt.
Die österreichischen Touristen vor Ort seien jedoch wohlauf, berichtet Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal. Bisher sind auch noch keine Anrufe besorgter Angehöriger eingegangen, weshalb man davon ausgeht, dass durch die Naturkatastrophe keine Österreicher zu Schaden gekommen sind. Auch über den Reiseveranstalterverband ist nichts über betroffene Österreicher in diesem Gebiet bekannt, so eine Sprecherin des Verkehrsbüros. Bisher weiß man nur, dass ein Vater und sein Sohn, australisch-österreichische Doppelstaatsbürger, sich während des Tsunamis auf Samoa aufhielten. "Ihnen geht den Umständen entsprechend gut", berichtete Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal.
Die beiden Männer stehen offenbar in regem Kontakt mit der rot-weiß-roten Botschaft in Canberra. So wusste man, dass die beiden sich in der Hauptstadt Samoas, in Apia, aufhalten. Sogar das Hotel war bekannt. Trotz der schwierigen Kommunaktion bemühte man sich sofort, die Österreicher telefonisch zu erreichen.
[Quelle: APA, Reuters]
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