boot 2010: Ein Rückblick mit gemischten Gefühlen


Tags: boot Düsseldorf
Zum Vergrößern anklicken - Foto: Rene Tillmann / Messe Duesseldorf
Die Boot 2010 ist vorbei - es lebe die Boot 2011 

Bekanntlich ist nach dem Spiel ja vor dem Spiel - das gleiche gilt natürlich auch für die am vergangenen Wochenende zu Ende gegangene weltgrößte Wassersportmesse, die boot in Düsseldorf. Wie erfolgreich war die Messe angesichts des Krisenjahres 2009 denn nun wirklich? Wir ziehen ein eher zwiespältiges Resümee.

Allgemein kann man wohl sagen, dass die Yacht- und Wassersportbranche nach einem sehr schwierigen Wirtschaftsjahr 2009 auf alle Fälle wieder mit Zuversicht in die Zukunft sieht. Was aber bei der diesjährigen Messe deutlich aufgefallen ist, ist der Unterschied zwischen den offiziellen Besucherzahlen (laut Messe Düsseldorf 240.200 Besucher) und den gefühlten tatsächlichen.

Um es mit einem kleinen Beispiel zu veranschaulichen: musste man sich 2009 bei offiziell 238.000 Besucher bei den Toiletten in Halle 3 teilweise anstellen, entfiel dies heuer komplett. Im Jahr davor, also 2008, kamen sogar noch 279.000 Besucher auf die Messe! Und heuer? Nie war ein Toilettengang so einfach. Der erste Samstag schien zwar durchaus erfolgreich gewesen zu sein, aber bereits am Sonntag des ersten Wochenendes (üblicherweise immer noch gerammelt voll) war eher gemütliches Flanieren angesagt, denn ein durch die Massen drängen.

Auch waren die Gänge zwischen den Ausstellungsflächen bedeutend größer als früher. Warum? Na ganz einfach, es waren weniger Aussteller anwesend (angeblich um die 9% Ausstellerrückgang, was sich allerdings nicht ganz mit de offiziellen Angaben deckt). Insgesamt stellten an den neun Messetagen 1.568 Aussteller aus 55 Ländern in 17 Messehallen neue Boote, Wassersportgeräte sowie Ausrüstungen und Zubehör vor. Im Vergleich: 2009 waren es 1.611 und im Jahr 2008 sogar 1.699 Aussteller. Vor allem in den Bootshallen war dies mehr als deutlich bemerkbar. Haben sich Messen etwa wirklich schon etwas abgelebt?

Gute Miene zum bösen Spiel
Dennoch gibt sich die Messeleitung nach außen hin optimistisch, muss sie ja wohl auch: „Wir haben unsere Ziele voll erreicht. Es ist uns sowohl gelungen, der Branche wichtige Impulse zu geben als auch mehr junge Menschen und Familien an den Wassersport und seine führende Messe, die boot Düsseldorf, heranzuführen,“ so Werner Matthias Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf. „Das Konzept, verstärkt auf Angebote zum Mitmachen zu setzen und Wassersport in Messehallen erlebbar zu machen, ist aufgegangen. Schade nur, dass das extrem winterliche Wetter so manchen am boot-Besuch gehindert hat. Nach dem starken Besucherzuwachs der ersten Tage blieb dadurch am Ende nur ein leichtes Plus übrig.“

Auch Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft – BVWW-, Köln, schätzt den Messeverlauf positiv ein. „Die boot hat der Branche Mut gemacht. Das konjunkturelle Tal liegt hinter uns. Die Besucher an den Ständen waren kauffreudig, sachkundig, international und auch von der Zahl her zufriedenstellend. Das gut angenommene Aktionsprogramm zeigt, dass unsere Branche Potenzial hat und dass wir dieses Potenzial auch mobilisieren können.“

Die ersten repräsentativen Befragungen der Besucher stützen diese Einschätzungen. Vor allem die jungen, an Trendsportarten interessierten Besucher waren mit dem Angebot in diesem Bereich sehr zufrieden. 64 Prozent gaben dafür gute Noten. Rund 50.000 Besucher reisten in diesem Jahr aus dem Ausland zur boot an. Jeder Dritte kam aus dem Süden, Osten und Norden Deutschlands.

Die Interessen der Besucher
Liebstes Kind des boot-Besuchers ist das Segelboot. Fast jeder Zweite interessierte sich dafür. Motorboote standen bei 35 Prozent der Besucher hoch im Kurs. Über Bootsausrüstungen und Zubehör wollten sich knapp 37 Prozent informieren. Fast jeden Vierten zog es in die Tauchsportmesse. Der große maritime Reisemarkt wurde von 28 Prozent der Besucher angesteuert.

Der Markt für Segelboote und Segelyachten hat nach Angaben von BVWW-Geschäftsführer Jürgen Tracht deutlich an Schwung gewonnen. Die Verkäufe liegen über dem Vorjahresniveau. Beflügelt haben das Geschäft vor allem günstige Preise. Bevorzugtes Segment sind Boote bis 12 Meter Länge. Bei Motorbooten sind kleine Typen sehr gefragt. Auf dem Niveau des Vorjahres liegt die Nachfrage nach Motorbooten im mittleren Segment.

Verhalten läuft das Geschäft mit Großyachten. Die Branche konnte bei der boot 2010 allerdings zahlreiche hochkarätige Kontakte knüpfen, ihre Kunden pflegen und konkrete Angebote unterbreiten. Sie setzt auf ein gutes Nachmessegeschäft.

Halle 3 - die Taucher - sind zufrieden
Etwas besser sieht es in der Tauchbranche aus. Hier geben sich die Aussteller rundum zufrieden und sehen die Branche im Aufwind. Mehr Besucher (laut offiziellen Angaben) und gute Umsätze kennzeichnen den Messeverlauf in diesem Angebotsbereich. Inoffiziell erzählte man uns aber auch hier, dass das Geschäft mehr als schleppend verlief, die Besucher - vor allem unter der Woche, die traditionellen Business Days - weitaus weniger als die Jahre davor waren und die großen Geschäfte auch auf sich warten ließen.

Starker Einbruch bei den Tauchmagazinen
Als guter Indikator, wie es der Tauchbranche aktuell geht, können wohl auch die Absatzzahlen der großen Tauchmagazine dienen. Hier hat Linus Geschke von Taucher.net einen sehr guten Überblick geliefert, den wir hier auszugsweise zitieren wollen. Er bezieht sich dabei auf aktuelle Absatzzahlen laut IVW Deutschland aus dem 3. Quartal 2009:

"So verzeichnete die „tauchen“ bei den Abonnenten einen Rückgang von 17.189 auf 15.734, was einem Verlust von 8,46 Prozent entspricht („unterwasser“ im selben Zeitraum: 14.596 Hefte gegenüber 13.559 Heften im selben Quartal des Folgejahres, ein Rückgang von 7,10 Prozent). Noch deutlicher fällt das Ergebnis im Einzelverkauf aus: Hier stehen monatlich durchschnittlich 12074 verkauften „tauchen“-Heften (03/08) nunmehr lediglich 10.311 Exemplare (03/09) gegenüber – was einem Verlust von 14,60 Prozent entspricht. Noch problematischer erscheint die Lage der „unterwasser“ im Handel: Innerhalb des Vergleichszeitraumes fiel die Auflage der verkauften Einzelexemplare von 14.062 auf 10.716: 23,78% der Leser kehrten dem Magazin innerhalb nur eines Jahres im Handel den Rücken zu."

Kollege Linus hat hier sehr schön aufgezeigt, wie schnell den Tauchmagazinen die Leser davon laufen. Wenn dies kein Anzeichen von schwindendem Interesse ist? Man mag jetzt vielleicht mit der Wirtschaftskrise, dem fehlenden Geld usw. argumentieren - doch dies trifft nicht einmal ansatzweise zu, wenn man sich die Zahlen von taucher.net (immerhin Marktführer am Onlinesektor für Taucher) ansieht: Verzeichnet taucher.net selbst (laut Eigenangaben) bis zu 25.000 Besucher pro Tag (also rund 750.000 Besucher im Monat), wird ihr Online-Magazin DiveInside pro Ausgabe nur rund 10.000 mal herunter geladen. Es liegt damit also auf dem Niveau der Einzelhandelsverkäufe von „tauchen“ und „unterwasser“, obwohl das Heft ja nix kostet. Es fehlt scheinbar einfach das Interesse der Leser.

Dies war auch an den Ständen der großen Printmagazine zu sehen: deren Stände waren heuer bedeutend kleiner als die Jahre davor. Naja, eh klar - sparen muss man überall!

Sei es wie es sei - die Boot 2010 ist Geschichte, nunmehr blickt man gespannt auf die kommende Saison und wartet ab, wie die Geschäfte gehen. Und dann sieht man sich 2011 wieder und redet darüber - und sieht, was die Zukunft bringt! Die boot Düsseldorf 2011 findet übrigens vom 22. bis 30. Jänner 2011 statt.

[Quelle: Messe Düsseldorf, taucher.net, nullzeit.at]

Bilder

Zum Vergrößern anklicken - Foto: Rene Tillmann / Messe Duesseldorf
 

Zum Vergrößern anklicken - Foto: Rene Tillmann / Messe Duesseldorf
 

Zum Vergrößern anklicken - Foto: Rene Tillmann / Messe Duesseldorf
 

Videos

Suchbegriff: boot Düsseldorf

Tweets

Ausdrucken - frisch auf Papier | Artikel verschicken | Kommentieren um die Wette | Addthis Button | Newsfeed - Aktuelles vom Wassersport | [edit] | [top]



Artikel kommentieren

| Kommentar Neuer Kommentar



3.2.2010 | Leo Ochsenbauer