BP Ölkatastrophe vor Mexiko: Livebericht
Tags: BP oilspill
Jetzt sieht es endlich so aus, als ob das Bohrloch vor der Küste Mexikos von BP abgedichtet ist - allein, es fehlt der Glaube. Dr. Robert Hofrichter, Salzburger Meeresbiologe und guter Freund von nullzeit.at war live vor Ort und berichtet uns, wie er die Situation erlebt hat.
Dr. Robert Hofrichter war letzte Woche in den USA, um sich persönlich einen Eindruck der Auswirkungen der Ölkatastrophe zu verschaffen .Leo Ochsenbauer von nullzeit.at bat ihn um eine Stellungnahme, wie denn nun tatsächlich die Situation vor Ort ist - hier seine Meinung dazu:
"Die Situation ist so, dass es jedem sofort klar wird, dass man diesen Kampf mit diesen Mitteln niemals gewinnen kann. Es ist nur Kosmetik, so wichtig die ist, aber wenn täglich neues Öl austritt, hilft all das rein gar nichts, außer der Regierung und BP. Damit sich die Öffentlichkeit beruhigt. Nur das Stopfen des Loches kann reale Hilfe bringen, das Meer ist ja voll dem Öl ausgesetzt, die Vögel fliegen täglich laufend hin und her ...
Fünf Meter vor der Barriere am Strand baden sie im Öl, die Pelikane stürzen sich in die Fluten, der Milliardenfache Tod findet von oben bis unten auf 1.500 m Wassersäule statt. Der Strand ist ja nur ein verschwindend kleiner Teil dessen, was am Massensterben stattfindet.
99,99 Prozent findet in diesen 1.500 m Wassersäule statt, angefangen von kleinen Plantontieren bis zum Wal und Walhai. Keiner beobachtet die Todesqualen all dieser Kreaturen, die kurz sein können (Vögel können innerhalb von Stunden oder Tagen sterben, was für einen Todeskampf auch sehr lang ist) oder auch schleichend über Monate oder länger. Durch Vergiftung über die aufgenommen Nahrung, durch Verätzung der Augen, Kiemen, Lungen, des Magen-Darm-Traktes, der Haut...
Bei etwas Sturm wird die Machtlosigkeit des Menschen mit aller Brutalität sichtbar. Die Menschen kämpfen auf ihre Art, vor allem aber sind sie zornig und wuterbrannt... Ohnmächtig. Man konnte gestern erahnen, wie gigantisch die Kräfte eines Hurricans sind, obwohl es gestern freilich lange keiner war. Was dann passiert, kann man sich kaum noch vorstellen, die eigentliche Hurrikansaison kommt ja erst noch im September.
Es ist meiner Meinung nach schlimmer als eine Katastrophe und ich verstehe Leute nicht, die es verharmlosen wollen (außer sie sind von BP gekauft - und das sind verdammt viele, sie sind gleichgültig - auch solche gibt es - oder sie sind ahnungslos, von denen es auch nicht wenig gibt). Das, was am Strand passiert, ist sozusagen nur die Spitze des Eisbergs, die viel größeren Dramen spielen sich unter Wasser ab, wir sehen sie nur nicht.
Denn nicht nur das Leid der charismatischen Wesen wie Vögeln und Delfinen wiegt schwer, sondern die milliardenfache Qual aller Kreaturen im Meer, bis in die Tiefsee. Lieber Leo, das ist jetzt keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern nur meine spontane Emotion ..."
Bohrloch seit 16. Juli scheinbar dicht
Nachdem die letzten durchgeführten Maßnahmen am 15. Juli scheinbar greifen, ist eine leicht positive Stimmung feststellbar. Wiewohl die von Dr. Hofrichter geschilderten Probleme dadurch nicht behoben werden - nur eben auch nicht verschlimmert.
In den ersten 24 Stunden seit dem Anbringen einer Abdichtkappe über der lecken Ölquelle im Golf von Mexiko ist nach Angaben des britischen Energiekonzerns BP kein Öl mehr ins Meer geflossen. BP-Vizechef Kent Wells sagte am Freitag vor Journalisten, die Experten des Energiekonzerns hätten die Ölquelle rund um die Uhr überwacht. Die Kameraaufnahmen von Unterwasserrobotern, akustische Sensoren sowie Temperaturmessungen am Bohrloch deuteten allesamt darauf hin, dass der Ölfluss gestoppt sei.
Abdichtkappe hält
BP war es am Donnerstag, 15. Juli 2010, gelungen, eine Abdichtkappe über der lecken Ölquelle anzubringen. Insgesamt will das Unternehmen 48 Stunden lang prüfen, ob das Bohrloch wie erhofft durch den Abdichtzylinder geschlossen werden kann - und das Bohrloch dem dadurch erhöhten Druck standhält. Die US-Regierung zeigte sich weiter zurückhaltend. US-Krisenkoordinator Thad Allen sagte am Freitag, die Messungen hätten noch keine eindeutigen Ergebnisse geliefert.
Hintergrund
Die BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" war im April nach einer Explosion gesunken. Bisher strömten Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge zwischen 2,3 und 4,5 Millionen Barrel Öl ins Meer. Das entspricht zwischen der 58- und 112-fachen Menge, die 1989 bei der Ölkatastrophe der Exxon Valdez in Alaska ausgelaufen war.
[Quelle: nullzeit.at, APA]
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