Von Ensanada nach Cabo San Lucas: 2.000 Seemeilen durch den Pazifik
Tags: Tauchen Mexiko
nullzeit.at Redakteur Herbert Futterknecht hat gemeinsam mit dem Präsidenten von Sharkproject Austria, Dr. Walter Buchinger, an der Überstellungsfahrt der MV Nautilus Explorer von Ensenada nach Cabo San Lucas teilgenommen. Ihre Erlebnisse schildern sie in diesem Artikel.
Überfahrten bei Tauchsafaris sind eine lästige Angelegenheit. Denn erstens ist man ja schließlich zum Tauchen hergekommen und zweitens ist Seetüchtigkeit eine Gabe, die nicht Jedem in die Wiege gelegt wird. Wenn man sich also entschließt, den einmal im Jahr angebotenen sogenannten „Repositioning Trip“ auf der MV Nautilus Explorer von Ensenada nach Cabo San Lucas mit zusammen etwa 130 Stunden Fahrtzeit zwischen den Tauchgebieten mitzumachen, darf man sich schon etwas ganz Besonderes erwarten. Um es vorwegzunehmen – nach 15 Tagen im November 2011 stand fest: es ist etwas Besonderes!
Nach 24stündiger Fahrt erreicht man vom mexikanischen Festland aus die Isla de Guadalupe, bekannt für die hier reichlich vorkommenden weißen Haie. Und wir wurden nicht enttäuscht. In 3 Käfigen – zwei davon wurden in etwa 40minütigem Takt mit 4 bzw. 2 Tauchern besetzt auf 12 Meter abgesenkt – waren diese eleganten Tiere in glasklarem Wasser bei jedem Tauchgang zu beobachten. Die ausgeklügelte Logistik und das technische Equipment an Bord der Nautilus Explorer ließ das nicht ganz einfache „Käfigklettern“ für uns bald zur Routine werden. Und bei 18 Grad Wassertemperatur (auch über Wasser war es kaum wärmer) war der Jacuzzi am Oberdeck stark frequentiert.
Ab zur Baja California
Nach drei Tagen wurden die Käfige an Bord gehievt und weiter ging`s zur Isla San Benitos vor Baja California, die nach 22 Stunden erreicht wurde. Dieses selten betauchte Revier bietet Kelpwälder in riesiger Ausdehnung – eine Traum-landschaft die man nur erleben, aber kaum beschreiben kann. Mittendrin lieferten uns Rudel von Seelöwen eine sehenswerte Show – Fotoapparate und Videokameras liefen heiß…
Schlappe 60 Stunden später erreichten wir das Revillagigedos Archipel, unter Tauchern besser bekannt unter dem Namen ihrer größten Insel: Socorro. Wir hatten Glück – die See war relativ ruhig und die Anzahl der Seekranken hielt sich in Grenzen.
Erster Ankerplatz war Roca Partida, und obwohl ich mir bewusst bin, dass die Beschreibung der Tauchgänge nach „Taucherlatein“ und Angabe klingen muss, versuch ich`s trotzdem: die Unterwasserlandschaft bot geradezu einen Lehr-katalog der Haiarten – Weißspitzen- Seiden- Silberspitzen- Galapagos- und Hammerhaie zogen ihre Runden, einige von uns konnten auch einen Walhai sichten. Und noch etwas verdient Erwähnung: die Außen- und Wasser-temperaturen hatten zunehmend akzeptable Werte erreicht!
Mexican way of life
Eine anschließende tauchfreie Zeit war nicht durch Überfahrt, sondern durch die offiziellen Einreiserituale in den Nationalpark bedingt: die (Un-)Tätigkeit der Behörden kostete uns fast einen Tauchtag und bestätigte alle gängigen Vorurteile dem mexikanischen „way of life“ gegenüber.
Schon beim nächsten Tauchplatz – Cabo Pierce – besserte sich allerdings rasch unsere Laune. Da tauchten das erste Mal Mantas und Delfine auf. Bei den weiteren Destinationen – Punta Tosca, Canyon, Boiler – schienen die Mantas auf unsere Ankunft gewartet zu haben. Entgegen unseren bisherigen Erfahrungen müssen sie Taucheransammlungen lieben – je gehäufter wir auftraten, umso enger wurde der Kontakt zu diesen Tieren.
Nach diesen Erlebnissen gab es genug Gesprächsstoff (und für die Fotografen genügend Zeit, ihre Aufnahmen im Photoshop zu „frisieren“), um auch die letzten 22 Stunden Fahrtzeit zum Zielhafen Cabo San Luca hinter uns zu bringen…
Ein Fazit
Und noch etwas darf nicht unerwähnt bleiben: die Nautilus Explorer ist ein komfortables Schiff, zugegeben – natürlich hängt der Standard der Kabinen vom Geldbörsel ab…und von der Unterdeckkabine zur Premiumsuite ist es nicht nur finanziell ein großer Schritt…was aber alle Reiseteilnehmer gleichermaßen erleben konnten, war eine Crew – vom Tauchguide über den Kapitän bis zum Küchengehilfen – die bemüht war und keine Ruhezeiten zu kennen schien. Selbst wenn einmal kein Gastwunsch zu erfüllen war fand sich irgendwo an Bord ein Rostfleck, der entfernt und überstrichen werden musste.
Zusammenfassend: 2000 Seemeilen sind eine beträchtliche Distanz, Seegang und Wetter auf den Fahrten zu den Tauchdestinationen sind nicht voraussehbar. Dafür aber erlebt man Eindrücke, die sich sonst nur in mehreren Urlauben sammeln lassen. Ein derartiges Erlebnis sollte man sich wenn irgend möglich nicht entgehen lassen.
Hintergrund
Ensenada ist eine Stadt im mexikanischen Bundesstaat Baja California mit etwa 260.000 Einwohnern (Stand 2004) und Sitz des gleichnamigen Verwaltungsbezirkes ("municipio") mit 370.000 Einwohnern. Ensenada liegt etwa 130 Kilometer südlich der mexikanisch/US-amerikanischen Grenze bei Tijuana/San Diego an der Pazifikküste. Um Ensenada befindet sich das der Menge nach bedeutendste Weinbaugebiet Mexikos. Zweimal im Jahr starten in Ensenada bekannte Rallyes in die Wüste der Halbinsel Baja California, das Baja 500 im Juni und das Baja 1000 in November.
Cabo San Lucas ist ein Ort an der äußersten Südspitze der zu Mexiko gehörenden Halbinsel Niederkalifornien. Zusammen mit seiner etwa 30 Kilometer östlich gelegenen Schwesterstadt San José del Cabo bildet San Lucas den südlichsten Landkreis Los Cabos im Bundesstaat Baja California Sur. Das Wahrzeichen von San Lucas ist der 62 Meter hohe Felsen El Arco am südlichen Ende der Halbinsel. Während er bei Ebbe durch einen Strandspaziergang von der nahegelegenen Playa del Amor erreichbar ist, versinkt der ihn umgebende Sandstrand bei Flut im Pazifik.
Obwohl die Gegend um San Lucas vermutlich bereits seit Jahrtausenden besiedelt war, entstand das ehemalige Dorf erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während die Bewohner anfangs nahezu ausschließlich vom Fischfang lebten, bildet heute der Tourismus die Haupteinnahmequelle. Denn durch seine überaus attraktive Lage, nach mehreren Seiten hin vom Meer umgeben zu sein (westlich und südlich liegt der Pazifik, östlich die Cortes-See), wurde der Ort zunehmend als begehrtes Feriendomizil der Superreichen aus den USA entdeckt.
Informationen aus Wikipedia
[Autoren: Walter Buchinger / Herbert Futterknecht]
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