Des Taucher's Leid - oder: Warum vereisen Atemregler?


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Alle Automaten sind gleich - nur manche sind gleicher... 

Vor allem in kalten Gewässern und größeren Tiefen ereignen sich immer wieder Unfälle. Ursache, oder zumindest Auslöser, ist sehr oft eine Vereisung des Lungenautomaten.

Was sind die Auslöser für eine Vereisung? Was genau passiert da eigentlich? Warum ist das so gefährlich?

Ein Artikel von Rudi Christoph

Ursachen

Wie jedes technische Versagen und wie jeder Unfall, so ist auch das Ereignis Vereisen an bestimmte Voraussetzungen gebunden, die eine verhängnisvolle Kette bilden können. Um diese ergründen zu können, muss man zuerst den Funktionsablauf der Luftversorgung genauer betrachten.

Beim Einatmen mit Hilfe des Atemreglers entnehmen wir der Druckluftflasche Luft. Durch die Entnahme entspannt sich die Druckluft in der ersten Stufe des Automaten. Der Druck fällt dabei vom Flaschendruck (normalerweise zwischen 50 und 200 bar) auf ca. 10 bar über Umgebungsdruck ab. Die Atemluft kühlt durch diese Entspannung um bis zu 40° C ab.

Durch den Mitteldruckschlauch strömt die Luft zur zweiten Stufe. Diese wird hier nochmals entspannt, von ca. 10 bar über Umgebungsdruck auf Umgebungsdruck. Eine mögliche Erwärmung der Luft im Mitteldruckschlauch ist stark abhängig von der Wassertemperatur. Das heißt aber, dass im 4° C kalten Wasser, beispielsweise eines Bergsees, nur wenig Erwärmung der Atemluft zu erwarten ist.

Damit ist die erste Voraussetzung für ein Vereisen gegeben: Kälte.

Wenn nun das Trocknungsmittel des Kompressors zu spät gewechselt wurde oder Wasser in der Flasche oder im Automaten ist, liegt bereits die zweite Voraussetzung vor.

Die zweite Voraussetzung ist Wasser bzw. Feuchtigkeit.

Das Wasser kann, wie oben beschrieben, von innen kommen, dann spricht man von innerer Vereisung. Natürlich ist es beim Tauchen auch außen vorhanden. Wenn dieses Umgebungswasser gefriert, spricht man von äußerer Vereisung. Ob innere oder äußere Vereisung ist für den Taucher allerdings unerheblich.

In der Praxis vor Ort, das heißt im Wasser, kann man nicht unterscheiden, wo die Ursache im Einzelnen liegt. Es ist zunächst auch unwichtig, denn Auswirkung und Reaktion des Tauchers auf die Vereisung bleiben die gleiche.

Was passiert?

Die Feuchtigkeit und die durch die Luftentspannung erzeugte Kälte führen dazu, dass der Automat einfriert. Da die Kälte am Ventil entsteht, frieren oft bewegliche Teile des Ventils fest. Das heißt konkret, dass z. B. der Kolben der ersten Stufe oder das Ventiloberteil, der Ventilhebel der zweiten Stufe, festfriert.

Das betroffene Ventil wird dadurch blockiert und schließt sich nicht mehr. Die Luft strömt nun dauerhaft ab, erzeugt weiter Kälte und sorgt so dafür, dass das zugefrorene Ventil zugefroren bleibt.

Die dritte Voraussetzung ist ein bewegliches, steuerndes Teil des Automaten, das festfrieren kann.

Wenn alle drei Voraussetzungen vorliegen, tritt ein Versagen des Automaten aufgrund der Vereisung ein.

Folgen der Vereisung

Durch den oben beschriebenen Vorgang des Festfrierens und der Erzeugung weiterer Kälte blockiert also das Ventil und bleibt in dieser Stellung eingefroren. Dadurch strömt dauernd Luft ab, in der Menge, die zum Zeitpunkt des Festfrierens entnommen wurde.

Dadurch treten zwei weitere Effekte auf:
Der Automat liefert in der Regel weiter Luft.
Es strömt sehr viel Luft ab, die Flasche wird abhängig von Volumen und Füllgrad schnell leer.

Die unbekannte Situation in Verbindung mit der Angst, gleich keine Luft mehr zu haben, mit schlechter Sicht, Kälte und eventuell Partnerverlust kann sehr leicht zu Panik führen! Panik ist die Grundlage für die meisten Tauchunfälle.

Vorbeugende Maßnahmen

Am besten fährt man als Taucher, wenn man schon im Vorfeld die Risiken weitestgehend ausschaltet. Dies kann geschehen durch:

  • Optimierung der Ausrüstung
  • Richtige Aufbereitung der Atemluft
  • Richtiges Verhalten beim Tauchgang


Optimierung der Ausrüstung

Bestmögliche Trennung von Feuchtigkeit und Kälte in der ersten und zweiten Stufe. Am wirkungsvollsten sind membrangesteuerte erste Stufen. Vereisungskits und ähnliche Nachrüstsätze stellen eher Nachbesserungen denn echte Problemlösungen dar.

Die zweite Stufe ist mindestens so gefährdet wie die erste Stufe. Auch hier ist die Bauform sehr wichtig. Je besser hier der kalte Luftstrom, die Feuchtigkeit und die Ventilsteuerung voneinander getrennt sind, umso größer die Vereisungssicherheit.

Die Wärmeleitung spielt in der zweiten Stufe eine große Rolle. Aus diesem Grund sind z. B. Metallgehäuse sicherer als Kunstoffgehäuse mit ihrer schlechten Wärmeleitfähigkeit.

Aber:

Absolute Vereisungssicherheit gibt es nicht. Es gibt nur Automaten, die mehr oder weniger vereisungsgeschützt sind.
Deshalb ist es unbedingt notwendig, im Kaltwasser mit zwei unabhängigen Automaten zu tauchen, mit zwei getrennt absperrbaren Ventilen.

Der Oktopus ist kein zweiter unabhängiger Automat und im Kaltwasser keine sichere Lösung. Die Benutzung des Oktopus im Notfall belastet die erste Stufe doppelt und erhöht damit die Vereisungsgefahr.

Ich empfehle Automaten mit einer membrangesteuerten ersten Stufe und einer zweiten Stufe mit Metallgehäuse.
Auftrennung der Luftverbraucher auf beide Stufen, um die Kältelast zu verteilen. Das heißt konkret, dass zum Beispiel das Jacket oder der Trockentauchanzug an den Zweitautomaten angeschlossen und der Erstautomat nur zum Atmen verwendet wird.

Vor dem Tauchgang im Winter das Gerät möglichst lange im warmen Auto lassen, um eine Auskühlung der Flasche und der Automaten zu minimieren.

Aufbereitung der Luft

Die Filterpatrone am Atemluftkompressor rechtzeitig wechseln, um eine trockene Luftaufbereitung nach DIN sicherzustellen.

Flaschenventil vor dem Wiederbefüllen ein paar mal kurz öffnen, um das Ventil gut auszublasen. Das meiste Wasser kommt in die Flasche durch Restwasser im Ventil, dass dann beim Wiederbefüllen in die Flasche gedrückt wird. Dagegen hilft auch eine neue Filterpatrone am Kompressor nichts!

Nicht benutzte Flaschenventile während eines Tauchgangs (bei Übungen im Schwimmbad z. B.) wasserdicht verschließen.

Den Flaschenanschluss des Automaten nach dem Tauchgang sofort mit einer trockenen Kappe verschließen. Dabei sorgfältig darauf achten, dass kein einziger Tropfen in den Lufteingang kommt!

Richtiges Verhalten beim Tauchgang

Großen Luftvorrat mitnehmen.
Vor dem Tauchgang Partner mit dem eigenen Gerät vertraut machen und sich das Gerät des Partners erklären lassen. Zwei Automaten bedeuten mehr Schläuche und mehr Verwirrung. Vor allem wichtig: An welchem Ventil hängt der Erst-, an welchem der Zweitautomat?

Luft nicht frei abströmen lassen, keine Spielchen mit Hebesack oder Ähnlichem, Luftdusche nicht unnötig betätigen.

Im Wasser sofort abtauchen, vor allem im Winter. An der Oberfläche keine Luft abströmen lassen. Der Automat vereist an der Oberfläche schneller als unter Wasser!

Kein unnötiges Auftauchen im Winter.

Zweitautomat gegen zufälliges Abströmen sichern. Sehr bewährt haben sich hier Kappen, die über das Mundstück gestülpt werden und mit denen der Automat am Jacket befestigt werden kann.

Zweitautomat immer in Griffweite befestigen. Am besten ist es, wenn er sogar im Blickfeld ist. Günstig ist ein etwas längerer Schlauch. Damit bekommt der Partner im Ernstfall mehr Bewegungsfreiheit.

Was tun, wenn es dennoch passiert?

Ich empfehle:
Ruhe bewahren, der Automat liefert ja noch Luft!

Partner nicht verlieren!

Eigenen Zweitautomaten nehmen und den Partner das Ventil des ersten Automaten zudrehen lassen. Dazu gehört aber ein gutes Vorbriefing und eine gründliche Einweisung in das eigene Gerät! Den ersten Automaten in der Hand behalten, falls der Partner doch den falschen Hahn zudreht!

Zweitautomaten des Partners im Auge behalten, ruhig beginnen auszutauchen.

Aufstiegsgeschwindigkeit beachten und Sicherheitsstopp durchführen.

Nachbriefing mit Durchsprache des Ablaufs. Offene Diskussion, was gut oder schlecht gelaufen ist.

Wichtig ist es natürlich auch, eine derartige Situation immer wieder mal zu üben.

Das Risiko erhöht sich nach meinen Erfahrungen durch folgende Faktoren:
  • Wassertemperaturen unter 10° C
  • Zunehmende Tauchtiefe
  • Erhöhte Luftentnahme, z. B. durch Trocki, viel Blei, unkontrollierte Atmung usw.
  • Gleichzeitige Luftentnahme für Tarieren und Atmen
  • Partnerversorgung am Oktopus
  • Lufttemperaturen unter 5° C


Wenn alle diese Tipps berücksichtigt werden, ist ein Vereisen nicht mehr sehr wahrscheinlich, aber nie ausgeschlossen!

[Autor: Rudi Christoph, Steinach]

Bilder

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Bei Eistauchgängen kann ein vereisender Regler größere Probleme verursachen - das muss aber nicht sein! 

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Beachtet die Tipps, dann klappt's auch mit dem Tauchen... 



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Kommentar von: Andreas Wittmann gepostet: 18.10.2005 12:13 X

Re: Des Taucher's Leid - oder: Warum vereisen Atemregler?
Hi
zum Thema Vereisen des Atemreglers möchte ich noch erwähnen das es gar nicht immer vereisen sein muss. Manche Automaten blasen dermaßen schnell ab z.B. nach nur 2..3 kräftigen Zügen mit ca. 2 Litern. Vermute mal da hängt einfach nur die Mechanik. Es gibt auch sonst sehr grosse Unterschiede zwischen den Herstellern. Manche sind praktisch kaum zu abblasen zu bewegen und andere sind da sehr schnell bereit abzublasen trotz EN250 Bescheinigung. Es fehlen einfach wirkliche praxisnahe Tests mit erhöhter AMV, um da eine wirkliche Klassifizierung der Automaten zu ermöglichen. Die Werbeaussgae "Kaltwasser geeignet" sagt nichts über die tatsächliche Kaltwasser Eigenschaft des Automaten aus.
Grüße
Andreas Wittmann



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13.10.2005 | Leo Ochsenbauer
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