Doch keine PR-Blase: Bergung eines US-Jagdbombers aus dem Traunsee!


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Republic P-47 Thunderbolt 

Seit Monaten geistern diverse Meldungen durch Internetforen und Lokalzeitungen: Im Traunsee soll ein einmotoriger US-Jagdbomber vom Typ P-47 Thunderbolt liegen und noch heuer geborgen werden.

Laut Augenzeugenberichten berührt kurz vor Kriegsende Anfang Mai 1945 eine extrem tieffliegende P-47 der US Air Force mit dem Propeller die Wasseroberfläche und stürzt anschließend in den Traunsee. Der Pilot kann sich aus der Kanzel befreien und wird von einem Boot aufgefischt. Die Maschine versink und gerät in Vergessenheit - bis sich vor einigen Monaten Spezialisten einer Innsbrucker Bergungsfirma in 100 Metern Tiefe mit Tauchrobotern auf die Suche machen. Ausgestattet mit den exklusiven Bergungsrechten durch das Bundesministrium für Inneres wird der Seegrund penibel abgesucht. Im Sommer 2005 soll es soweit sein und die Maschine hoffentlich im ganzen gehoben werden.

Die P-47 Thunderbolt

Der einmotorige Tiefdecker mit 12,43 m Spannweite und 11,02 m Länge wog leer knapp 4,5 t und konnte eine Spitzengeschwindigkeit von 697 km/h erreichen. Die Bewaffnung mit acht 12,7 mm Maschinengewehren und Außenlastenträger für abwerfbare Zusatztanks, Bomben und Raketen machten die P-47 zu einem effektiven Kampfflugzeug sowohl für den Luftkampf als auch zur Bodenunterstützung.

Achtung Schatzsucher!

Man darf gespannt sein, ob die geplanten Aktivitäten neben interessierten Schaulustigen auch unerwünschte Souvenierjäger anlocken. Diese könnten selbst trotz der großen Tiefe nicht davor zurückschrecken, das Wrack noch schnell auszuplündern. Um unbefugten Bergungsversuchen Dritter vorzubeugen, bleibt daher das genaue Suchgebiet vorerst geheim.
Aufgrund der naheliegenden Vermutung, dass die Maschine noch mit Explosivgeschossen aufmunitioniert ist, werden Spezialisten des Innenministeriums bei der Bergung anwesend sein.

Ökologische Zeitbombe

Auf Anfrage erklärten die österreichischen Bundesforste, die von der Republik mit der Verwaltung u.a. des Traunsees betraut sind, dass schon aus ökologischen Gründen die professionelle Bergung des Wracks im Interesse aller Nutzer des Traunsees liege. So müsse man damit rechnen, dass durch den fortschreitenden Zerfall des Flugzeugs am Seegrund noch an Bord befindlicher Treibstoff austreten könnte. Darauf werde natürlich auch während der Bergung penibel geachtet und entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Angebot und Nachfrage

Die Bergung von Flugzeugwracks hat sich in den letzten Jahren trotz der hohen Kosten zu einem einträglichen Geschäft entwickelt.
Käuflich erwerbbare Flugzeuge aus der Zeit des 2. Weltkrieg sind heute rar geworden. Von der Thunderbolt selbst gibt es auf der ganzen Welt nur mehr neun flugfähige Exemplare.
Vor allem flugzeugbegeisterte Investoren aus den USA, die auch über das nötige Kleingeld für die sehr aufwendige und teure Restaurierung verfügen, sorgen für eine stete Nachfrage nach diesem alten Kriegsgut. Flugzeugwracks aus Süsswasserseen sind besonders begehrt, da sie über die Jahre weniger stark der Korrosion ausgesetzt waren und bei ausreichender Tiefe besser vor der systematischen Ausplünderung geschützt sind als im offenen Meer.
Zudem eignen sich derartige Bergungsaktionen auch zur medialen Vermarktung, ein deutscher Sender hat sich bereits die Exklusivrechte gesichert. Es darf gehofft werden, dass dabei nicht vergessen wird, was sich zudem damals nur wenige Kilometer vom Absturzort entfernt zugetragen hat.

Getrübte Salzkammergut-Idylle

Am 6. Mai 1945 stossen anrückende Soldaten der 3. US-Panzerarmee unweit des Ortes Ebensee am Südufer des Traunsees auf das gleichnamige Konzentrationslager. Tausende entkräftete und ausgehungerte Häftlinge taumeln den Amerikanern entgegen, viele erleben die Stunde der Befreiung nicht mehr oder sterben noch kurz danach.
Die ca. 18.000 Arbeitssklaven gruben für die NS-Rüstungsindustrie unter menschenverachtenden Bedingungen bombensichere Fabrikshallen in die umliegenden Berge.
So gesehen ist es doch etwas anachronistisch, dass heute - knapp vor dem 60. Jahrestag der Befreiung - gerade eine Flugzeugbergung im nahegelegenen See die Aufmerksamkeit auf dieses finstere Kapitel unserer Geschichte lenkt.

Ausblick

Wir wünschen dem Bergungsteam trotzdem viel Erfolg bei Ihrem Unternehmen und werden weiter über dieses spektakuläre Vorhaben informieren.


Quellen:
www.wpafb.af.mil/museum/research/p47.htm
www.ebensee.org
Oberösterreichische Nachrichten

Bilder

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Eine restaurierte P-47 in der Luft 

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Traunsee (OÖ) 



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29.3.2005 | Karl Reder
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