Weltkriegswracks als Öko-Zeitbomben


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Wracks aus dem 2. Weltkrieg sind immer noch gefährlich 

Kriegsrelikte aus dem 2. Weltkrieg bedrohen mehr als 50 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs nun die Inseln des Pazifischen Ozeans, berichtet Radio Australia.

Unter den Wracks, die am Meeresgrund liegen, befinden sich zahlreiche Tanker, Frachter aber auch Flugzeugträger, Bomber und Waffen. Auslöser für die Diskussion war der Supertanker USS Mississinewa, der 1944 von den Japanern in Yap versenkt wurde. Im Bauch des Schiffes lagern neun Mill. Gallonen Öl.

Nach einem Zyklon, der im Juli über Yap fegte, wurde das Wrack bewegt und Öl ist in die Lagune der mikronesischen Insel geflossen. Das Leck, aus dem das Öl austrat, wurde behelfsmäßig geflickt. Forscher warnen dennoch davor, dass die Kriegsrelikte eine Zeitbombe für die Inseln und die fragile Umwelt sind.

Zu diesem Schluss kommt auch Trevor Gilbert, Wissenschaftler für die Australian Maritime Safety Authority. Gilbert hat über 1.000 Wracks in den Gewässern um Papua Neuguinea, den Salomonen und Australien untersucht.

Öl der Schiffe heute noch gefährlich

Neben den zahlreichen Munitionslagern und anderen Chemikalien, die sich an Bord der Schiffe befinden, warnt der Forscher insbesondere vor den großen Mengen an Öl, die die Schiffe geladen haben.

"Wenn ein Tanker der Größenordnung der Mississinewa seine Ladung an die Umwelt freigibt, dann ist eine unvorstellbare Umweltkatastrophe die Folge", so der Forscher. Bedroht ist davon das gesamte Ökosystem und die Subsistenzwirtschaft der Bevölkerung. Die meisten der Wracks liegen im relativ flachen Wasser und sind Habitat für Millionen von Lebewesen wie Fische, Korallen und andere Wirbellose.

Gilbert geht davon aus, dass allein im ehemaligen Kriegsgebiet der Japaner und Amerikaner bei den Salomonen Schiffe mit einer halben Million Registertonnen liegen. Er schätzt, dass im gesamten Pazifik mehr als drei Mio. Tonnen Schiffstonnage versenkt wurden.

Zwei Drittel der Schiffe sind japanischer Herkunft, darunter befinden sich nicht nur Kriegsschiffe, sondern auch zivile Frachter. Der Rest der Wracks ist zum Großteil amerikanischer Herkunft.

Ehemaliger Eignerstaat ist verantwortlich

Nach der Frage, wer für die Säuberung der Wracks verantwortlich ist, gilt nach herrschender Rechtsauffassung des Seerechts das "Flaggenprinzip". Das bedeutet, dass der Staat, unter dessen Flagge das Schiff fuhr, auch noch am Meeresgrund das Eigentum am Schiff behält.

"Die Amerikaner beanspruchen auch heute noch die Souveränität über ihre gesunkenen Kriegsschiffe, in erster Linie wohl deshalb, weil sie verhindern wollen, dass die Schiffe geplündert werden", so Gilbert.

Allein das Öl vom Tanker Mississinewa abzupumpen kostet zwischen vier und sechs Mill. Dollar. Im kommenden Jahr zwischen Januar und Februar soll die Ladung des Tankers von der US-Navy abgepumpt werden. Dann ist zumindest eine tickende Zeitbombe ausgeschaltet.

Doch allein in den Lagunen der mikronesischen Inseln von Yap und Truk liegen noch hunderte anderer Wracks. Diese sind für tauchende Touristen ein begehrtes Ziel, dennoch könnte ein Zyklon, wie er in diesen Breiten üblich ist, eine Umweltkatastrophe gewaltigen Ausmaßes anrichten.

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15.4.2003 | Leo Ochsenbauer
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